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FOX 22 – so schnell wie einfach…

Fox Segelzeichen

Wie versprochen kommt hier mein persönlicher Bootstest zum FOX 22. Fotos, eine englische Version und einen Törnbericht liefere ich in den nächsten Tagen nach…

Das Boot
Die Fox 22 ist ein 6,50 m langes und 2,50 m breites Kajütboot mit festem Kiel und einem Tiefgang von nur 0,90 m. In der von uns gesegelten Standard-Version haben Großsegel und Fock zusammen eine Segelfläche von 23,5 m². In der Racing-Version lässt sich das Schiffchen außerdem noch mit Gennaker und Genua bestücken. Für Hafenmanöver und als Flautenschieber war unsere Fox mit einem 6 PS starken Honda Viertakt-Außenborder im Schacht ausgerüstet.

Unter Deck
Die Kajüte ist für die Bootsgröße sehr geräumig. Ein Grund dafür ist sicher, dass sich der Decksaufbau über die gesamte Rumpfbreite erstreckt. So hat man im gesamten Schiff ausreichend Höhe, um bequem zu sitzen. Die Einrichtung ist sehr spartanisch, aber praktisch. Außer zwei durch Holzbretter abgegrenzte Schapps, einem wahlweise als Tritt oder Tisch nutzbarem Kunstoffquader, dem unter dem Einstieg montierten Spirituskocher und den obligatorischen Polstern gibt es keine weitere Einrichtung. Aber gerade dadurch hat die Crew viel Platz für sich und ihre Ausrüstung. Stauraum gibt es in Fächern unter den Liege- und Sitzpolstern, in den angesprochenen zwei offenen Schapps, unterhalb des Cockpitbodens (zwischen den Hundekojen) und in den bis weit nach achtern reichenden Hundekojen. Kleinteile kann man in den umlaufenden, in den Rumpf eingearbeiteten Schwalbennestern ablegen. In der Kajüte können vier Personen bequem schlafen. Mit Hilfe der abnehmbaren R�ckenpolster lässt sich der Gang in der Mitte der Kajüte abdecken. So entsteht eine einzige große Liegefläche, wodurch die Hundekojen angenehm breit und die Doppelkoje im Vorschiff auch für große Menschen ausreichend lang wird. Für diesen Umbau muss aber der variable Kunstofftritt entweder weit unter den Cockpitboden geschoben (dadurch geht Stauraum verloren) oder für die Nacht ins Cockpit gestellt werden. Durch die Größe des Schiffchens bleibt es nicht aus, dass es bei regnerischem Wetter auch unter Deck schon mal nass werden kann. Da es aber in der Kajüte keine empfindlichen Materialien gibt, ist das nicht weiter tragisch. Die Polster sind mit einem Kunstleder bezogen, das sich wie alles andere leicht abtrocknen lässt. Vermisst haben wir lediglich eine regendichte Belüftung. Zwar gab es sowohl im Vorschiffsluk, als auch im Niedergangsschott eine Zwangsbelüftung doch die reicht kaum aus, wenn man mit vier Personen unter Deck schläft.

An Deck
Das Cockpit riesig, wenn man bedenkt, dass man schon unter Deck recht viel Platz hatte. Auch hier macht sich die Breite des Bootes bezahlt. Man kann mit vier Erwachsenen bequem sitzen und auch zu sechst sollte es nicht wirklich eng werden. Man hat ausreichend Beinfreiheit und auf den Bänken hat man eine angenehme Sitzposition. Noch gemütlicher ist es auf den Duchten, denn auch diese sind zum Sitzen konstruiert. Es gibt hier keine Klampen, Rollen, Blöcke oder irgendwelche Wülste oder Cockpitbegrenzungen, auf denen man sitzen muss, wenn man den Gewichtstrimm optimieren will. Auch der Rücken muss nicht mit den Drahtseilen einer Reling vorlieb nehmen. Zum Anlehnen gibt es einen relativ bequemen Gurt. Dabei sind Schoten und Pinne aus jeder Position gut zu bedienen. Ein solch durchdachtes Cockpit wünschte ich mir auch bei größeren Fahrtenjachten. Auch ansonsten ist es an Deck sehr aufgeräumt. Groß-, Fockfall, Reffleinen und Dirk sind auf Klemmen auf dem Kajütdach umgelenkt und vom Cockpit aus zu bedienen. Sie können bei Bedarf auch über die beiden Fockwinschen dicht geholt werden. Auch der Baumniederholer und der am Baum zu belegende Unterliegstrecker sind aus dem sicheren Cockpit zu erreichen. Der Achterstagspanner ist gut dimensioniert und lässt sich auch unter Belastung noch einigermaßen trimmen. Dass Großschot und Traveller hervorragend abgestimmt und mit wenig Kraftaufwand zu bedienen sind, versteht sich bei dem offenbar sehr gut durchdachten Schiff von selbst. Ebenfalls eine gute Idee sind die als Reffbändsel ins Segel eingearbeiteten Gummistropps mit Haken, die ein schnelles und sicheres auftuchen der weggerefften Segelfläche ermöglichen. Allerdings haben sich bei uns die Haken und Stropps von Reff 1 und Reff 2 beim schnellen Großsegel setzten und bergen vor Brücken und Schleusen gerne mal ineinander verhakt, was ein erneutes Bergen und wieder Setzen erforderte. Durch ordentliches Arbeiten lässt sich das aber verhindern. Die Reling wird von massiven, aber nicht störend wirkenden Stützen gehalten und macht einen sehr soliden Eindruck. Das gilt auch für die Klampen, von denen es zwei am Heck und eine am Bug gibt, sowie für die Badeleiter am Heck. Stauraum gibt es an Deck in den beiden kleinen Backskisten, von denen eine bereits mit Tank und Anker gut gefüllt war. In der anderen waren Festmacher, Pütz, Eimer und Aufnehmer verstaut. Zusätzlich fand hier noch unser 25-Meter-Stromkabel Platz. Vielmehr hätte aber auch schon nicht mehr hineingepasst. Leider stand in beiden Backskisten etwas Wasser, denn einen Abfluss nach außen gab es nicht.

Fahren unter Maschine
Der 6 PS Motor hat mehr als genug Power für das kleine Schiff. Wir haben ihn nie mit mehr als halber Kraft betrieben. Das Boot erreicht so unter Maschine eine Geschwindigkeit von 6,1 kn. Beschleunigt man weiter, saugt sich lediglich das Heck fest, ohne das die Geschwindigkeit weiter steigt. Durch die Montage im Schacht direkt vor dem Ruder, lässt sich die Fox in jeder Situation problemlos und genau manövrieren. Der Außenborder lässt sich um etwa 15 Grad zu jeder Seite drehen, was bei Manövern in engen Häfen eine zusätzliche Hilfe ist. Die Fox lässt sich quasi auf dem Teller drehen. Auch bei Rückwärtsfahrt folgt das Boot jedem Ruderausschlag auf Anhieb. Der Verbrauch liegt bei unter 2 Litern in der Stunde. Negativ ist uns allerdings aufgefallen, dass zum einen der Motor an sich sehr laut ist, was die durch die Vibrationen in Bewegung versetzten Backskistendeckel und diverse andere Beschläge mit einem enormen Klangteppich noch verstärken. Aber es handelt sich ja um ein Segelboot und da sollte der Motor ja nur im Hafen laufen.

Segeleigenschaften
Wir waren drei Tage bei unterschiedlichen Windverhältnissen mit dem Schiff auf dem Wasser, so konnte ich mir ein gutes Bild von den Segeleigenschaften der Fox machen. Grundsätzlich liegt das Schiff auf jedem Kurs gut auf dem Ruder. Auch bei falsch getrimmten Segeln auf Am-Wind-Kursen schießt die Fox nicht gleich in den Wind. Sie bleibt kontrollierbar, auch wenn der Ruderdruck stark zunimmt. Erst wenn das Schiff wirklich schon extrem krängt und kaum noch Fahrt macht, folgt der unausweichliche Sonnenschuss. Wir sind mit der Fox bei 0 bis 5 bft gesegelt. Ein Reffen war nicht nötig. Bei richtig getrimmten Segeln erreicht das Schiff ab etwa 4 bft eine Geschwindigkeit um die 5,5 kn. In der Spitze haben wir sowohl raumschots wie auch Am-Wind 6 kn Fahrt gemacht. Bei leichteren Winden (2 bis 3 bft) sind immer noch locker um die 4 kn drin. Ich möchte ungern schätzen wie hoch sich die Fox am Wind segeln lässt, aber mein Eindruck war, dass man trotz des geringen Tiefgangs recht viel Höhe laufen konnte. Beim Wenden verliert das für die friesischen Seen konstruierte Schiff nur wenig Fahrt (wenn man sie richtig fährt) und eignet sich so auch zum Kreuzen auf engen Kanälen. Gefehlt hat uns ein Baum um die Fock auch vor dem Wind ohne ständige Handarbeit zum Stehen zu überreden. Die kurze Welle auf dem IJsselmeer nimmt die Fox gelassen, weich und ziemlich trocken. Alles in allem vermittelt die Fox ein sicheres und angenehm sportliches Segelgefühl.

Fazit
Die Fox 22 ist ein sehr gut durchdachtes Kajütboot, mit sehr guten Segeleigenschaften. Die Verarbeitung ist hervorragend. Die Konstrukteure haben es geschafft ein Schiff zu bauen, das sportlich und sicher segelt und dabei einfach zu bedienen ist. Das Design ist ebenfalls recht sportlich und jung. Das Schiff ist robust und pflegeleicht ohne dabei klobig oder billig zu wirken. Die Kajüte bietet vier Leuten genügend Platz für einen Wochenendtörn und einer zweiköpfigen Crew sicher auch für einen längeren Urlaubstörn. Das Wichtigste ist aber der Segelspaß, den die Fox verbreitet. Mit Ihr kann jeder Segler, ohne tief in die Trimm-Trick-Kiste zu greifen, schnell segeln. Ich kann daher jedem nur empfehlen die Fox bei der Planung des nächsten Törns in Friesland mit in die engere Wahl zu nehmen.

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Kommentare (2)

  1. Kulturgipfel wrote::

    Besten Dank für gute Beschreibung.
    Kulturgipfel wird dieses Boot gerne bald ausprobieren

    Mittwoch, Juli 14, 2010 am 22:39 #
  2. Da fragt man sich beim groben Uberfliegen schon, ob man selbst nicht komplett auf den Kopf gefallen ist. Danke fur eure Erklarungen

    Freitag, Mai 6, 2011 am 21:17 #

Trackback/Pingback (1)

  1. Südsee-Feeling in Friesland < Piecho’s Blog auf Mittwoch, Mai 14, 2008 am 14:03

    [...] aus dem letzten Jahr wussten wir das uns ein schnelles, einfach zu segelndes Schiffchen erwartete. In Sneek angekommen verlief die Übernahme des Bootes relativ problemlos. Allerdings [...]