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Was hat sich das IOC eigentlich gedacht?

Wie war das noch als man die Olympia 2008 an China vergeben hat? – War da nicht auch ein Grund, dass das IOC hoffte dadurch ein Anstoß zur Öffnung Chinas zugeben. Hoffte man nicht, dadurch China dazu zu bewegen in Sachen Menschenrechte einen Schritt nach vorn zu machen? War es nicht eine auch politisch motivierte Entscheidung die Olympischen Spiele nach China zu bringen, und damit die Augen der Welt auf das zu richten, was dort geschieht?

Und jetzt? - Jetzt ruft das IOC die Sportler der Welt dazu auf sich politisch zurückzuhalten. Politik hätte bei den Spielen nichts zu suchen. Das mag ja auch stimmen und das war bisher vielleicht auch mal so. Aber die Spiele wurden schon durch die Vergabe an Peking politisch. Und nun da keine der erhofften Verbesserungen in China eingetreten sind, sollen sich die Sportler vom totalitären, die Menschenrechte verachtenden Regime in Peking vor den Propagandakarren spannen lassen?

Ich wollte dieses Thema hier im Block ursprünglich nicht aufgreifen. Es ist mir viel zu komplex um es hier vollständig abzuhandeln. Ich kann und möchte hier nur einige Denkanstöße geben. Ich habe keine Ahnung wie man diesen Karren aus dem Dreck ziehen kann. Aber trotzdem möchte ich einige meiner Standpunkte darlegen.

Eigentlich hat das IOC recht. Politik hat bei den Spielen nichts zu suchen. Die Olympischen Spiele sind ein friedliches Sportfest bei dem sich die Jugend der Welt treffen und im sportlichen Wettkampf messen soll. Aber, wie bereits oben geschrieben, hat das IOC selbst die Spiele zu politischen Spielen gemacht, als es sich für China als Gastgeber entschieden hat. Aus der Vergangenheit hätte man eigentlich wissen müssen, dass die Spiele von totalitären Regimen für Propagandazwecke genutzt werden. Jetzt den Sportlern zu verbieten, aller Welt zu zeigen, dass man nicht mit den Verhältnissen in China einverstanden ist, kann nicht dem Sinn des Demonstrationsverbotes in Olympischensportstätten entsprechen.

Warum müssen eigentlich westliche Staaten dafür sorgen, dass die olympische Fackel ungehindert durch Ihre Städte getragen werden kann. Klar die Fackel ist ein Symbol für Frieden, aber ist sie das auch wenn sie von einer Nation getragen wird, die während des Fackellaufes Menschenrechte mit Füßen tritt und friedliche Demonstranten tötet?

Das IOC hätte gut daran getan im letzten Jahr die Notbremse zu ziehen und die Spiele abzusagen. Stattdessen geht man (zumindest macht es den Eindruck) mit dem chinesischen Regime auf Schmusekurs. Man spielt Dinge herunter, flüchtet sich auf den Standpunkt, dass die Spiele unpolitisch sind und beschädigt damit zum einen das IOC und vor allem auch die Spiele nachhaltig.

Den Sponsoren kann man zunächst keinen Vorwurf machen. Natürlich hat auch die Wirtschaft eine gewisse Verantwortung. Aber in erster Linie ist sind die Unternehmen für die Wirtschaft zuständig. Klar fördern wir alle mit den zahlreichen “Made in China”-Produkten auch zu einem Teil den erhalt des Regimes. Aber ich denke, dass gute und enge Geschäftsbeziehungen mit China auf Dauer am ehesten eine Öffnung und eine Hinwendung zur Einhaltung der Menschenrechte fördern. Denn wer global mitspielen will muss sich auch anpassen.

Neben dem IOC sehe ich als erstes die Medien in der Verantwortung. Sie sollten sich weigern die Spiele zu übertragen. Ein bekanntgeben der Ergebnisse sollte genügen. Denn bleiben weltweit die Livebilder aus, verlieren auch die Sponsoren das Interesse. Außerdem fände ich es nicht richtig, wenn Medien die sich als objektiv Bezeichnen die “schöne heile Welt”-Propaganda Chinas verbreiten. Anstatt über die Wettkämpfe könnte man zum Beispiel umfassend über die Situation in China berichten.

Für mich steht jedenfalls fest, dass ich mir keinen Wettkampf im TV anschauen werde. Mit der EM ist mein Sporteventbedarf für diesen Sommer wahrscheinlich auch so gedeckt.

Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte findet im China-Watchblog einen guten Überblick. Außerdem finde ich diese Artikel ganz interessant:

Eine Frage des Gewissens?
Wahrnehmungsstörungen
Der Kampf um die Fackel

Die Klimax der Proteste – IOC erwägt Absage

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